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365/365 - The Best 2017

The Bestfor that all is wellin 2017from Los Jahnsensfrom Delhi/India
Kiran . Shanti . Jamal . Georg

343/2016 - Hommage an den Seniorenbeirat Heide

Heide hat einen neuen Seniorenbeirat gewählt. Details gibt es auf der Heide-Homepage  Da ich viele Erinnerungen und Momente mit diesem Gremium verbinde, drängt es mich, eine Hommage an den Seniorenbeirat der Stadt Heide zu teilen:

Der Seniorenbeirat Heide, rettet wieder die Welt, mit 'ner smarten Diskussion, und ohne viel Geld.
Hier fliegt die Brille, und die dritten Zähne, die neunzichplus Szene, löst ma wieder, locker alle Probleme.
Legendäre Meetings, im Gremium mit Stil, Rollatoren drehen durch, manchmal leicht debil.
Und das bisschen Rumgetatter, doesn't matter, derbe Käffchen trinken, und im Stuhl versinken.
Geballtes Wissen, im fetten Netzwerk, jo, mit grauer Dauerkrause, bleib ma' lieber nich' zu Hause.
Sondern komm ins Gremium, auf das jeder steht, und lass' das Hörgerät, mal easy aufgedreht.
Foto: Schwender / Stadt Heide | Die frisch gewählten Vorsitzenden des neuen Seniorenbeirats (1. und 6. v.r.) mit dem Bürgermeister (2.v.r.) und den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern (alle anderen…

332/2016 - Brägenbrummgrüße aus Moskau

Unsere Schlafzimmer liegen fünf Stufen oberhalb des Niveaus der restlichen Wohnung. Die kleine Marmortreppe als Verbindungsgang hat eine lichte Durchgangshöhe von 194 Zentimetern. Die obere Begrenzung bildet eine scharfe Betonkante. Ich messe laut Passdokument offizielle 193 Zentimeter. Bis auf diese Engstelle, die mir und meiner Frisur bislang noch nie Probleme bereitet hat, ist die Wohnung ansonsten ausreichend großzügig bemessen.
Es soll zu einer Seminarwoche nach Freiburg gehen. Der große Reisekoffer muss zur Eingangstür gewuchtet werden. Auf genannter Treppe hole ich tief Luft und reisse den Koffer mit einem kräftigen Durchstrecken meiner Körperspannung nach oben. Für einen kurzen Moment messe ich vom Scheitel zur Zehspitze 195 Zentimeter - dies natürlich genau an der Stelle des Treppendurchgangs mit der Durchgangshöhe von 194 Zentimetern. Stahlbeton durchdringt Fleisch und Knochen.
Rumms!
So habe ich mir schon lange nicht mehr die Rübe angerammt. Es brummt und wummert und der Nachh…

331/2016 - kulturhybrider Adventskranz

"Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme." Thomas Morus
Advent und Weihnachten machen Spass. Die generelle Idee dieser Tradition wollen wir daher gerne zelebrieren und an die nächste Generation (die Jungs)  weitergeben. Beim Aufenthalt an einem relativ unweihnachtlichen Ort wie Delhi ist das nicht immer ganz einfach. Weihnachtsmärkte mit Eisbahnen, gebrannte Mandeln, Lübecker Marzipan und Lebkuchenherzen sind rar im Norden Indiens. Ebenso ist die Verfügbarkeit ordentlicher Adventskränze im indischen Einzelhandel nur sehr eingeschränkt gegeben. 
Weihnachten besteht im Kern nicht aus Styropor, sondern aus Ästen, Zweigen, Harz und Nadeln. Die Basis unseres Adventskranzes bilden daher Zweige aus unserem ehemaligen Garten in Heide, die wir zu einer halbwegs runden Form zusammengebunden haben. Auf dieser Basis haben wir in Deutschland Tannenzweige befestigt und darauf dann Kerzen, Sterne und Kugelnippes zu einer schicklichen Gesamtform arrangiert. 

323/2016 - Paninibilder in der indischen Zentralbank

Saubere Luft zum Atmen ist weitgehend weg. Und jetzt gibts in Indien auch kein Bargeld mehr. Die 500er und 1000er Rupeenoten sind ausser an Tankstellen kein offizielles Zahlungsmittel mehr. In den Geldautomaten liegen zwar neue 2000er Banknoten bereit. Aber ohne Wechselgeld, sind auch diese zur Zeit als Zahlungsmittel auf der Straße praktisch wertlos. Außerdem sind die Schlangen vor den Automaten so lang, dass es die Menschen bereits beim Warten dahinrafft, und dies ist leider kein Scherz. 
Indien steht ziemlich dumm da, und als versierter Wirtschaftsexperte kann ich voraussehen, dass es gerade im Niedriglohnsektor zu enormen Umsatzdingsbumseinbußen kommen wird, was auf die gesamte Volkswirtschaft äh, ... durchschlägt. Aber ich habe einige Ratschläge als Auswege parat, wie Indiens Finanzwirtschaft wieder ruckzuck auf die Beine kommt: 
Einführung der Tauschwirtschaftflächendeckend Apple PayMuscheln als SchattenwährungLove and free HugsEinführung der D-MarkZigaretten, Schnaps und Kaffee a…

315/2016 - surviving AQI 999 | The Home

Delhis air sucks. The outside AQI often exceeds 999. What to do? In three categories we share our experiences. "Home", "Car" and "Outside". Today "Home". 
The basic idea is to reduce the amount of outside air entering the house or flat. Sealing the home is crucial. We monitor all openings to the outside (Windows, doors, exhaust fans, ACs, etc) and seal them with broad duct tape, sealing bars and silicone. 
We won't open the windows anyway (ventilation happens via exhaust fans) so it is just fine to completely seal these opening with duct tape. Any door to the outside that is not urgently needed is treated in the same manner. For doors and windows that are still required we use sealing bars and sealing tape. All these measures are very cheap as duct tape, silicone and sealing bars are not really expensive. 

The exhaust fans for the bathrooms and the kitchen should have automatically closing shutter slats. Additionally we have constructed an …

314/2016 - Karma Polizei nimmt Geld vom Markt

Die Nachricht verbreitet sich in den Abendstunden rasant über Whatsapp und Facebook und schlägt ein wie eine Bombe: Indien nimmt mit sofortiger Wirkung sämtliche 500er und 1000er Rupee Geldscheine vom Markt. Für einige staatliche Betriebe wie zum Beispiel die Tankstellen gibt es eine Frist von 72 Stunden, in denen noch die bisherigen Banknoten angenommen werden. 
Ansonsten muss man halt sehen, wie man seinen Kram bezahlen will. Es gibt ja noch 100 Rupee Noten (1,3 Euro), die aber natürlich niemand rausrücken will. Und es gibt ja auch Kreditkarten. Die Geldautomaten sind die nächsten Tage außer Betrieb. Irgendwann nächste Woche gibt es dann neue 2000er und neue 500er Scheine. 
Bei Banken kann man die nächsten Wochen die alten Scheine umtauschen - aber immer nur 4000 Rupees (20 Euro) auf einmal. Wenn man bedenkt, dass nun 1,3 Milliarden Inderinnen und Inder in den nächsten Tagen ihre Scheine umtauschen werden, kann man sich die Schlangen vor den Banken ausmalen. Die Gold- und Juwelenhändl…

311/2016 - secret AQI Planespotting mission impossible

Aus meinem Bürofenster in Delhi habe ich neben der Hauptstraße "Africa Avenue" auch eine der Hauptanflugrouten zum Internationalen Flughafen Neu Delhi im Blick. Eine geheime Zusatzklausel in meinem Arbeitsvertrag sieht vor, dass ich diese Anflugroute pausenlos überwachen soll. Im Browserfenster läuft Flighttracker.com und ich muss die Flugzeuge auf dem Monitor mit jenen hinter der Fensterscheibe abgleichen. Oh, ich sehe gerade, dass die Lufthansa 10 Uhr Maschine aus München schon 25 Minuten Verspätung hat ...

Delhi macht aktuell internationale Negativschlagzeilen mit seiner unterirdischen Luftqualität. In allen Berichten werden die hohen Schadstoffbelastungen mit dem Air Quality Index (AQI) beziffert, der natürlich immer den WHO-Wert um ein Vielfaches übersteigt. Auch wir haben ein Messgerät, welches situationsscharf die Luftqualität anzeigt (hier wurde berichtet). 
Und hier ist die Verbindung vom Planespotting zur manuellen Abschätzung der Luftqualität:
AQI 1-10  .  kristallk…

304/2016 - Diwali Rangoli

Den Vormittag am Diwalisonntag nutzen wir, um unsere Eingangstreppe mit Rangoli zu schmücken. Dazu werden Farbpigmente auf Stoffschablonen verteilt, die dann auf dem Boden bunte Muster und Symbole erzeugen. Am Ende dürfen natürlich am Diwalifest einige Kerzen und Dias nicht fehlen. Happy Diwali!

Video: Rangoli im Eingang

303/2016 - Happy Diwali

302/2016 - Diwali mit Luke Skywalker

Diwali und Halloween fallen dieses Jahr auf den gleichen Tag. An Jamals American Embassy School (AES) ist natürlich Halloween eine grosse Sache. Und in Delhi und Indien allgemein natürlich Diwali. Das Halloween-Motto an der Schule ist "Star Wars". Es bietet sich die einmalige Chance, dass Luke Skywalker und Prinzessin Leia gemeinsam mit Krishna und Lakshmi das Diwali-Licht entzünden. 


Foto oben: Diwali Feierlichkeiten an Kirans (indischem) Kindergarten Foto unten: Kostümvorbereitungen für die Halloween Party an der AES

293/2016 - der Star der Blabla-Couture

(...) Du redest und redest,  ob's früh oder spät ist, hast zu Allem was zu sagen,  wo Du weißt worum es geht, Es ist klar,  Du bist der Star, Der bla bla - Couture Und deine Kumpels vom Stammtisch,  die lieben Dich dafür (...) "Na dann mach doch", Fischmob
Der große Kongress-Saal der Habitat Konferenz ist den offiziellen Delegierten, den politisch Gesandten, vorbehalten. Eine Liveschaltung in einen kleineren Saal existiert, so dass auch die normalen Teilnehmer die Reden und Wortbeiträge zum politischen Prozess der "New Urban Agenda" mitverfolgen können. Der tiefere Sinn dieser ganzen Diskussion bleibt mir jedoch schleierhaft, da der Text der "New Urban Agenda" ohnehin schon vor Beginn der Konferenz weitgehend feststand. 
Spannend und inspirierend sind aus meiner Sicht die vielen Sideevents, Workshops und Expertendiskussionen. Das alles gleicht einem riesigen Wissensbasar. Bei einem dieser kleinen Sideevents zum Thema Landgovernance des schwedischen Ministeriums …

292/2016 - UN-exklavisch

Das Gelände des Habitat Kongresses ist ein grosser innerstädtischer Park in der Innenstadt von Quito. Man sagt, dass Gelände sei für die Zeit des Kongresses unter UN Verwaltung. Eine UN-Enklave. Überall stehen markante Wachfrauen und Wachmänner in UN-typischen hellblauen Uniformen.

Die Zugangskontrolle ist mit den Besuchermassen in den ersten Tagen überfordert. Mehrere Stunden muss ich warten, während die Sonne senkrecht ohne Erbarmen Nase und Ohren brät. 

Der innere Bereich ist zweigeteilt. Neben dem eigentlichen Kongressbereich mit einer Vielzahl grosser und kleiner Veranstaltungssäle gibt es den Bereich mit den Länderpavillons, der eher wie eine grosse Messe aussieht. 
Foto oben: Eingang zum Bereich mit den Länderständen Foto unten: Einer der grösseren Kongress-Säle

291/2016 - dem Himmel so nah

Quito hat die Haare schön. Wenn schon die Welt in Form der Stadtplanerelite zu Besuch kommt, darf es stadträumlich nicht aussehen wie bei Hempels unterm Sofa. Quito hat aufgeräumt. Quito hat Schilder aufgestellt, auf denen draufsteht, dass Quito schön ist. Quito hat viele Männer in Uniform und Körperpanzerung bereitgestellt.

Und sonst? Die Luft ist so klar. Der Himmel so nah. Grüne Vulkanhänge - wunderbar. In den Strassen der Innenstadt ist abends durchgehend Partystimmung. Mit dem Aufräumen kommt eben auch die Feierlaune. 
Foto: Mondunter- und Sonnenaufgang am ersten Morgen. Im Hintergrund Quitos latenter Schrecken: der Hausvulkan "Pichincha".

290/2016 - zum anderen Ende der Erde

Habitat III, die UN-Konferenz zu Themen der globalen Stadtentwicklung findet alle 20 Jahre statt. Diesmal in Quito, Ecuador. Diesmal auch mit Georg.

Von Delhi aus betrachtet gibt es kaum einen Ort auf dem Planeten, der weiter entfernt ist als Quito. Die Anreise dauert folgerichtig über 33 Stunden und geht in meinem Fall über London und Miami. Alles läuft reibungslos. 
Foto: Der Eingang zum Panamakanal

255/2016 - Bananaboat

Sich mit dem Kopf voran durch die Fluten zu pflügen ist keine Kunst - egal ob auf dem Rücken oder bäuchlings. Kinderkram. Connaisseure und Geniesser des nassen Elements bewegen sich im Wasser stets mit den Füßen voran fort. "Bananaboat". 

Unter allen Schwimmstilen, ist Bananaboat die Königsdisziplin. Geschwindigkeit spielt keine Rolle. Und es ist zweifelslos die athletischste Art, sich im Wasser zu bewegen. Vorsicht: Nach ein paar Bahnen "Bananaboat" passt man in kein Hemd mehr hinein. Die Muskeln blähen sich auf und zerfetzen die schönste Rumpfbekleidung. 
Völlig unverständlich bleibt vor diesem Hintergrund, warum Bananaboat bis heute nicht olympische Disziplin ist. Vielleicht, weil es einfach albern aussieht, wenn man derart unförmig, wie ein nasser Sack im Wasser hängt, und dabei kaum von der Stelle kommt.

Video: Georg praktiziert Bananaboat

251/2016 - Arbeit wie in der Vorschule

Jamal verbringt einen Vormittag bei mir im Büro. Danach stellt er auf dem Weg nach Hause fest: "Das ist bei euch fast genauso wie bei uns in der Vorschule."

Foto: Jamal in Papas Büro beschäftigt mit Hörspielen. 

250/2016 - Heizungskauf bei 30 Grad

Obgleich es noch immer tagsüber über 35 Grad hat, beginnen bei uns die Vorbereitungen auf die kalte Jahreszeit. Zwei Dinge sind zu tun:
Kälte Im Dezember wird es kalt werden. Die Wohnung ist weder gedämmt noch mit Heizungen ausgestattet, und so kann es bei unter 5 Grad ungemütlich werden. Wir haben drei elektrische Ölradiatoren gekauft und ergänzen das noch mit Heißluftpustern und Heizdecken. Den Rest erledigen die warmen Alpaka-Pullover aus Bolivien und (je nach Dramatik) der Schnaps aus Deutschland. 
Luftverschmutzung Mit der Kälte steigt ebenso die Luftverschmutzung in der Stadt. In der Wohnung gibts viele Ritzen - die bringen mich ins Schwitzen. Die Fenster und Türen aus Holz bieten dem heranstürmenden siffigen Ölstaub kaum die Stirn. Also klebe ich händisch alles mit Klebeband und Silikonspritze dicht, um die Luftwechselrate zu reduzieren. Die Formel für saubere Luft in Innenräumen geht so: Die Gesamtfilterleistung der Luftfilter [cbm/h] muss höher sein als der Luftaustausch mit …

249/2016 - Happy Ganesh Chaturthi

Foto: zu Hause

248/2016 - orangene Frühernte

Verheißungsvoll und mit prächtigen Früchten behangen, steht ein Baum vor unserem Küchenfenster. Die Früchte sind grün und orangengroß. Weil die Früchte nun schon recht lange da so rumhängen, haben wir mal angenommen, dass sie erntereif sein müssten. Aus dem Küchenfenster im ersten Stock heraus pflücken wir eine Frucht und prüfen den Geschmack. Herbsüß - das passt schon. Wir entscheiden, dass Erntezeit ist. Formvollendet, von den Stadtaffen abgeguckt, klettere ich also im Baum umher und rupfe die dicken Dinger ab, bis der Fahrer unseres Vermieters mich mit dem Hinweis unterbricht, dass für diesen Baum erst im Dezember Erntezeit sei.


Bedenke ich die grüne Farbe und den leicht herben Geschmack der Früchte, und gehen wir mal davon aus, dass es sich um einen Orangenbaum handelt, mit orangefarbenen Orangen, klingt sein Einwand plausibel. 
Die etwa zehn bereits geernteten Früchte werden wir in den nächsten Tagen dennoch zu Saft verarbeiten und konsumieren. Prost. 
Foto oben: mutmassliche Oran…

247/2016 - Botschaftsarchitekturen

Jeden Tag auf dem Weg zu Jamals Schule durchfahren wir "Chanakyapuri" - Delhis Botschaftsviertel. Der Stadtraum ist hier mehr als großzügig, mit weitläufigen Grünbereichen, breiten Straßen und mächtigen Kreisverkehren. Die Gebäude der Botschaften präsentieren sich gleichsam in einem riesigen Park und sind von den Straßen aus gut zu sehen.

Die Vielfalt der Architekturen, der Zeitschichten in denen sie gebaut wurden, und dem jeweiligen Ausdruck mittels der Gestalt dessen wofür ihr jeweiliges Land steht, ist sehr spannend. 
Foto: Mein Favorit: die polnische Botschaft

246/2016 - Die funktionierende Sparkasse als Armutsindikator

An vielen Ampelkreuzungen in Delhi betteln arme Kinder an den Autoscheiben. Armut wird sichtbar und Jamal möchte wissen, warum es hier so viele arme Kinder gibt und in Deutschland nicht. Die elterliche Antwort: "Weil die Menschen in Deutschland mehr Geld haben." erscheint ihm unbefridigend und fordert weitere Fragen. "Wieso ist Deutschland reicher?" (und stimmt das überhaupt?!) Aber dann erhellt sich sein Blick, und er weiß selber eine Antwort. "Papa, ich weiß warum die Menschen in Deutschland mehr Geld haben! Weil da die Sparkassen seltener kaputt gehen als in Indien!"

Bild: Eine lokale Bankfiliale mit Geldautomat und Kundenverkehr. 

245/2016 - Hippieshit

Neulichst was geträumt: In Deutschland und auch in anderen Ländern Europas hätte sich in den letzten Monaten eine Hippiebewegung in den Parlamenten etabliert. In Deutschland ist es die "Hippiepartei Deutschlands", die die Parlamente mit jeder weiteren Wahl erstürmt. Die Anhänger in Latzhosen mit Schlag, selbstgebatikten Sommerkleidern, Koteletten bis zu den Schultern und Blumen im Haar, lehnen die Bestuhlung in den Plenarsäalen ab, und sitzen stattdessen im Schneidersitz Gitarre spielend auf dem Boden.

"Das ist total out, das ist Hippieshit, aber ich sag es laut ich liebe Liebe zu Dritt" "Liebe zu Dritt" - Stereo Total

Politisch wollen sie das Anzugverbot für Männer durchsetzen. Alles Schlechte der vergangenen Jahrzehnte sei von Männern in Anzügen verzapft worden. Der Krieg in Syrien und die verfehlte, rigorose Flüchtlingspolitik der Regierung treibt der Partei viele Wähler in die Arme. Es sind meist Menschen, die einfach nur gut und lieb sein wollen, und dene…

244/2016 - Faschismusquatschheft am Bücherkiosk

In jeder gut sortierten indischen Flughafenbuchhandlung, gleich neben den Finanzratgebern, den Damenquatschblättern und den Groschenromanen, findet sich in der Regel auch das politische Standardwerk aus Deutschland: Hitlers "Mein Kampf". Der Umgang mit diesem Kapitel deutscher Geschichte und der Person Adolf Hitler pendelt hier zwischen Unwissen, Naivität und lockerer Zwanglosigkeit. Anders als in Mosambik bin ich hier jedoch noch nicht gefragt worden, ob Hitler eigentlich noch in Deutschland regiert.

Foto: Szene aus der Flughafenbuchhandlung in Chennai. 

243/2016 - Monsunsturzregen

Obgleich die Monsunzeit sich langsam dem Ende nähert, gibt es nochmal einige heftige Regenfälle, die diesmal tagsüber den Verkehr in der Stadt lahmlegen. In unserem Viertel halten sich die Einschränkungen in Grenzen. Es sind vor allem die Unterführungen einiger Hauptstraßen unter den Eisenbahnlinien hindurch, die überfluten und unpassierbar werden. 
Video: überflutete Straße in Vasant Vihar

241/2016 - Ukulele Solo

Video: Kiran inspired by music session in his Kindergarten. 

240/2016 - Büronaschkram

Foto: Indischer Büronaschkram. Links "Barfi" aus Milch, rechts "Laddoo" aus Mehl und in Fett ausgekocht. Alles schön süß! 

239/2016 - Die Lego Pirateninsel

Foto: Traumhafte Strände. Ausgedehnte Palmenwälder. Üppige Gold- und Juwelenschätze. Der gruselige Skelettmann und das gesetzlose Pack. Auf der Pirateninsel war am Wochenende die Hölle los. Im Hintergrund oben rechts das große Seegefecht mit Musketen, Säbeln und lauernden Haien. 

238/2016 - soziale Teilhabe an Basiskörperfunktionen

Nun habe ich schon in so manchem Hotel auf meinen indischen Dienstreisen übernachtet. Und es stellt sich mir die Frage: Gibt es so etwas wie einen roten Faden, ein Standard, an den sich alle Hotels halten, ein Service, der ungefragt dem Gast zur Verfügung steht, die indische Spezialität? Umsonstinternet? Schokolädchen auf dem Kissen? Unklaubare Kleiderbügel? Spezial-Item in der Minibar?

Es ist das Klotelefon. Ein Telefon, welches so angebracht ist, dass es alleine zum Telefonieren taugt, während man auf Klo sitzt. Ein normales Hotelzimmer ohne Klotelefon scheint es nicht zu geben. 
Ist es nicht grob unhöflich, mit jemandem zu telefonieren, während ich auf Klo sitze? Wie dringend muss jemand einen Anruf erwarten, oder etwas von der Rezeption oder Hotelküche wollen, um dies zu rechtfertigen? 
In seinem Buch "Russendisko" beschreibt Vladimir Kaminer, wie in einem Klub in Berlin ein Russe neben ihm im Waschraum gleichzeitig kotzt und telefoniert. Wie ungeniert geht der Mensch mit…

237/2016 - Amtlich: Air India mit Sari, Bart und brennendem Triebwerkswitz

Wieder einmal bin ich in der indischen Luft unterwegs am dienstlichen Reisen. Für einen umfassenden Vergleich der in Indien operierenden Inlandsfluggesellschaften ist es noch etwas zu früh. Also beschränke ich mich zunächst auf Einzelbetrachtungen. Heute: Air India. 
Air India ist die offizielle, staatliche Regierungsfluglinie. Star Alliance Member. Die Stewardessen tragen Saris. Die Piloten haben Bart und Turban. Die indische Bürokratie fliegt Air India. Im Innenraum der Flugzeuge fehlen eigentlich nur noch Gummibaum und Leitz-Ordner, um das Bild abzurunden. Das Logo beinhaltet eine stilisierte Blüte mit spitzen, roten Blütenblättern vor orangenem Hintergrund. 
Diese Blütenblätter sind angeschnitten auch auf die Triebwerke der Flugzeuge gedruckt, so dass es aussieht wie Flammen, die vom vorderen Triebwerkrand nach hinten schlagen. Auf dem Radkasten eines tiefergelegten Prollgolfs ist eine Flammenlackierung ein akzeptables Stilelement. Auf dem Triebwerk einer staatlichen Linienflugmasch…

236/2016 - Ameisen Teil 3 | Vergrämsysteme

Um die Ameisen ausnahmslos aus dem Wohnbereich zu entfernen, wäre der komplette Abriss des Hauses und ein Wideraufbau in Form einer riesigen Tupperdose mit Burggraben nötig. Der Burggraben müsste dann allerdings mit siedendem Teer gefüllt werden.
Drei weitere Strategien folgen, wie mit den nicht immer gewünschten Mitbewohnern umgegangen werden kann:
1 Der indische Chemieangriff In vielen indischen Haushalten wird sich mit Chemikalien aus dem Stationary Shop an der Ecke beholfen, um Ameisen und andere Insekten von den Häusern fern zu halten. Besonders beliebt sind Naphthalinkugeln und Borsäure. Die weißen Naphthalinkugeln von der Größe eines runden Bonbons, verströmen einen stechenden Geruch nach Benzindampf, ähnlich beim Selbsttanken des Autos. Borsäure wird als weißes, sehr feines Pulver verkauft und ist ansonsten unauffällig. Beide Mittel sind in Deutschland als gesundheitsschädlich eingestuft. Beide Mittel haben wir bei uns schon eingesetzt. Nach Lesen des Wikipedia-Eintrags über N…

235/2016 - Ameisen Teil 2 | Die Welt der kleinen Krabbler

Das Gebäude aus den 60ern in dem wir in Delhi wohnen ist ein zeitloses Stück Bauhaus Architektur. Klare Kante, hell, praktisch und logisch. Aber die Gebäudesubstanz ist deutlich in die Jahre gekommen. Die große Hitze und die Luftfeuchtigkeit erzeugen Biomasse und Getier im Power-Modus. Und wenn Flora und Fauna mitwohnt, tut dies der Physis des menschlichen Habitats selten gut. Es gibt mittlerweile verborgen hinter den Wänden und Decken ein zweites für den Menschen unsichtbares Gebäude. In den Ecken und zwischen den Fugen, hinter den Ritzen und unter den Türschwellen zeigt sich diese Welt der versteckten Gänge und kleinen Lebewesen. 
Und da wohnen sie, die Ameisenvölker. Reingefressen in die Türzargen. Durchgebohrt in die Hohlräume unter den Kacheln und Bodenfliesen. Die Ameisen können außerdem stolz auf ein unsichtbares System aus linearen Versorgungsinfrastrukturen in unserem Haus blicken. Sie haben sichere Routen angelegt, um zu den Hotspots der Nahrungsversorgung zu gelangen. Hochg…

234/2016 - Ameisen Teil 1 | Den Gegner kennenlernen

Sie sind überall. Es krabbelt in Wänden. Es kribbeln die Hemden. Die Ameisen sind auf den Tischen und Arbeitsplatten, hinterm Kühlschrank, im Eingang, auf dem frisch gemachten Omelette und in der Poritz'. Dies ist der große Ameisen-Dreiteiler, der dem Phänomen "urbane Ameisen im indischen Wohnumfeld" nachgeht. 
Drei Typen von Ameisen sind bei uns im Haus zu finden. Hier ein kurzer Überblick mit dem Trivialnamen, der Körpergrösse und den Bisseigenschaften: 
"Das dicke Ding" Die großen schwarzen Ameisen sind mit etwa 10mm Körperlänge doppelt so groß wie eine europäische Waldameise. Hohe Krabbelgeschwindigkeit. Kraftvoller Biss, der mühelos kleine Zweige oder Stromkabel durchtrennt. Etwa 35% der Stromausfälle in Delhi gehen auf das Konto von Ameisen. Der Biss tut moderat weh und klingt schnell ab (wenn keine Extremitäten abgetrennt wurden). 
"Die kleine Schwarze" Die kleinen schwarzen Ameisen haben etwa eine Körperlänge von 2-3 mm. Sie treten deutlich häufige…

233/2016 - Clobberfolder (tm)

A two days / one night business trip in hot / warm India requires only a very few things in my bag. Some light shirt and trouser, underpants, a pair of socks and a toothbrush. Thats it. No need for an additional suitcase or even a hand luggage trolley, that only means hassle at the airport.

But what is the perfect way to carry clothing in a small bag that also contains work related things like documents or an iPad. It is easy to imagine weird situations that can occur when picking some documents within a work meeting from a bag that also contains socks and underwear.
Here is the solution: the clobberfolder (tm). 
Video: Making of clobberfolder. 

232/2016 - Meister Eder, der feuchte ATM Futzi und das Ruckeln in derMatrix

Wir schauen "Meister Eder und sein Pumuckl" Folge 6 wo die beiden Urlaub machen. Es fängt mit einem handgeschriebenen Brief an, den Meister Eder vom Urlaubsappartment (einem Bauernhof) als Bestätigung für seine schriftliche Anfrage erhält. Der Urlaub ist damit gebucht. Das war 1982. Ich habe kaum 6 Jahre später mit meinen Eltern auf ähnliche Weise ein Ferienappartment in Südfrankreich reserviert. Eine Briefkonversation, händisch ins Französische übersetzt, die sich über mehrere Wochen hinzieht, als spannender Prozess der Urlaubsbuchung. 
Zeitgleich planen wir gerade unsere Ferien um den Jahreswechsel 2016/17. Buchung und Bezahlung sind mit einigen Fingerpatschern auf dem mobilen Endgerät erledigt. Wohlmöglich während einer Taxifahrt, oder auf dem Weg zur Arbeit. Aber bei der Bezahlung der Flüge hakt es. Die als Highend-Produkt beschworene Kreditkarte des indischen Finanzdienstleisters versagt mal wieder auf ganzer Länge. Weder im Internet, noch vor Ort bei der Fluggesellsch…

231/2016 - Birthdayparty

Shaluk, eine Freundin von Jamal hat Geburtstag. Er geht zu seiner ersten richtigen indischen Kindergeburtstagsparty. Bruder und Eltern sind ebenso willkommen. Die Feier findet am Abend statt. Es wird natürlich gespielt und als Attraktion sind zusätzlich zwei junge Herren engagiert, die Entertainment veranstalten.


Der Luftballonwurstknoter und der Tuschkastentattoomaler sind fester Bestandteil der Party. Das Essen ist herzhaft lecker, aber teilweise knackig scharf, was die Kinder nicht weiter stört. Höhepunkt ist die pinke Geburtstagstorte mit Kerzen, Prinzessin und Lebe-Hoch-Liedern. 
Foto oben: Spielen im "Moon-Sand". Kiran mittendrin. Foto unten: Sie lebe hoch! Geburtstagskind in Pink. 

230/2016 - Rümgetüdelt und "Happy Rakshabandhan"

Nach dem freien Unabhängigkeitstag folgt just in derselben Woche ein weiterer wichtiger Feiertag. Wenn dieser Tag auch nicht ein offizieller "Bank Holiday" ist, so nehmen sich dennoch viele dafür zumindest einen halben Tag frei, um ihre Geschwister zu besuchen. 
Rakshabandhan, gefeiert an einem Vollmondtag im Monat Shravana, ist der Tag an dem die geschwisterliche Verbindung gefeiert wird. Brüder besuchen ihre Schwestern. Sie werden bekocht. Die Schwester bindet ihrem Bruder ein "Rakhi", ein Band, meist geschmückt mit einigen Perlen oder Steinchen um das Handgelenk, um die innige Verbindung zu symbolisieren. Der Bruder schwört ewigen Beschützer-Spirit. 
Auch Kiran und Jamal binden sich gegenseitig diese Bänder um, die sie vorher selber gebastelt und verziert haben. 
Video: "Rumgetüdelt" - der feierliche Augenblick, als Jamal im Flur seinem Bruder das Rakhi anlegt. 

229/2016 - Drachen über Delhi

Es gehört zur Tradition in Indien, am und um den Unabhängigkeitstag Drachen steigen zu lassen. In den Tagen vor dem Ereignis werden die Drachen und das nötige Zubehör (Schnur und Spindel) von Strassenverkäufern angeboten.

Es ist faszinierend, über der dichten bebauten Stadt, oder mitten über dem Verkehrsgewusel umherschnurrende Drachen am Himmel zu sehen. 
Mir wurde als Kind zu Hause und in der Schule immer wieder mahnend klar gemacht, dass man beim Drachensteigen obacht walten lassen sollte. (Mit erhobenem Zeigefinger und stirngerunzeltem Gesicht.)"Nicht in der Nähe von Stromleitungen." "Nie bei Gewitter." "Nicht in der Nähe von Straßen, Bahnanlagen oder Flughäfen."  Schulterzuckend nahm ich es damals als Kind hin, das Drachensteigen offensichtlich eine fast zwangsläufig mörderische Freizeitbeschäftigung für Kinder sein musste. Und ich hielt mich von Flughäfen und Hochspannungsleitungen fern, was im wilden Präriedreieck der Nordheide zwischen Buxtehude,…

228/2016 - India celebrating #Brexit

It is Independence Day in India - thus, India celebrating the 69th anniversary of the Brexit. Flying flag sellers in the streets earning rich. Terrorwarnings at highest level. Monday is a public holiday.

Photo: Some flags near Dharamsala (India and Buddhist Dharmachakra Flag)

227/2016 - manual lawn mowing

Video: Gardening @ "Garden of Five Senses" in South Delhi

226/2016 - hörend spielen

Ein altes iPhone randvoll mit Hörspielen und ein kleiner Bluetoothlautsprecher - mehr braucht es gerade nicht, um Jamal stundenlang in fernen Welten versinken zu lassen. Ob zur Entspannung nach der Vorschule auf dem Sofa, oder beim täglichen Pendeln im Autositz; die Geschichten sind immer dabei.

Foto: Jamal beim Hörspielhören

225/2016 - Die große Schlacht der epischen Kissenabundanz

Das Haus ist voller Sitzkissen, Yogakissen und Riesenflehtzsäcke. Aber alle sind platt, weil das Füllmaterial in Heide bleiben musste. (>>> Dinkelspelzwissen für Fortgeschrittene) Dinkelspelz aus kontrolliert biologischem Anbau ist in Delhi gerade schwer zu besorgen. Daher kommen als Ersatz Styroporkügelchen in den Sack. Weder kontrolliert biologisch, noch vermutlich sonstwie nachhaltig hergestellt. Vielleicht werden die einzelnen Kugeln von indischen Kindern handgeschnitzt und glattgeschliffen.

Weil diese Kügelchen deutlich leichter als Dinkelspelz sind (Dichte), lassen sich die Kissen mühelos durch die Wohnung werfen, schiessen, pfeffern, ballern und knallen. Wir freuen uns auf hoffentlich zahlreiche epische Kissenschlachten und den ein- oder anderen Hoppla-Klirr-Padauz-Unfall.
Foto oben: Säcke mit Füllmaterial Foto unten: Skulptur "Kissenabundanz"

224/2016 - sortenreine Musselkisten

Der Umzug brachte viel handwerkliches Gewerkel mit sich. Das Bauen der Kisten, das Auseinanderbauen von Möbeln und anderen Dingen und das Verpacken und Schützen von Gegenständen.

Mit der Zeit hat sich in verschiedenen Kisten und alten Joghurtbechern ein Chaos aus Schrauben, Nägeln, Muttern, Unterlegscheiben, Scharnieren, Winkeln und vielen anderen Metallkleinteilen angesammelt. Musselkisten (hier mehr dazu) sind per se nicht schlecht, wenn sie nicht zum Grundprinzip von Ordnung werden. In diesem Fall gab es Handlungsbedarf. Challenge accepted!
Wir fangen zaghaft an, einige Kisten und Becher auszuschütten und halbwegs zu ordnen, und Jamal übernimmt nach kurzer Zeit. Er liebt es, die Dinge zu sortieren und in kleine Kunststoffbehälter zu füllen. Sich zu überlegen wo was hingehört, und wie die verschiedenen Teile zusammenhängen fasziniert ihn. "Ich bin eine Sortiermaschine", sagt er am Ende des ersten Nachmittags, den er komplett mit dieser Tätigkeit verbringt.
Inzwischen ist …

223/2016 - Jamal learning English

It is sometimes a challenge for Jamal to interact with people as he does not yet speak English. But he loves this interaction, he needs it and he searches for it. And as most of the Indians are so open and friendly, it becomes easier for him. Often we have to tell him some English vocabulary and he uses it to speak to a waiter in a restaurant, or a taxi driver or any other persons around us.


For the new every day Kindergarden routine at the American Embassy School this language barrier is an issue that a lot of other children and the teachers are facing. The teachers have great techniques to deal with it: they use strong facial impressions like actors, or hand gestures - this all combined with a continuous conversation in English. 
This way they promise that Jamal and the other non English speaking children will be able to fluently speak English by the end of this school year.

Photo above: Interaction with Hotel Porter @ Marriott Aerocity Photo below: Nametag for Jamals first Kindergarde…