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Es werden Posts vom November, 2018 angezeigt.

Rumpelkistengeschichten

Wir lassen uns in einem alten Mahindra Pickup den Ganges flussaufwärts fahren, um eine Wanderung zu machen. Alles an dem klapperigen und doch gut gepflegten Fahrzeug ist irgendwie legendär. Die abseitigen Routen und die vielen Abenteuer, die dieses Auto im indischen Himalaya offenbar gesehen und überstanden hat, sind in vielen Details spürbar. Das Loch in dem der lange Schalthebel im Bodenblech verschwindet, ist verrostet und weit ausgefranst. Neben meinen Füssen blicke ich in die darunter liegenden Gestänge und die stetig und monoton vorbei huschende Schotterpiste. Mein Blick verwischt und meine Gedanken schweifen.   Mir kommt dieser durchgerostet-abgerockte mosambikanische Kleinlaster in den Sinn. Es ist Mitte 2010. Wir wollen unsere Seefracht aus dem Freihafen von Mosambik abholen. Den lebenswichtigen Passierschein für die Zollkontrolle habe ich beiläufig in eines der Ablagefächer des Lastwagencockpits gelegt. Als wir am Tor zum Hafen ankommen, stellen wir fest, dass der Pass

Ganga Flussmagie

Eine mächtige Stromschnelle im Ganges berauscht mit ihrer stetigen Melodie das tiefe Tal in dem unsere kleine Unterkunft etwas oberhalb des Flusses liegt. Die Hänge zu beiden Seiten sind mit dichtem Urwald bewachsen.   Nach dem Mittag liegt das Tal schnell im Schatten. Ein grau-rosa Streulicht verwischt die Kontouren und macht alles geheimnisvoll. Wir sind ganz mit uns alleine an dem kleinen Strand auf einer der Sandbänke im Fluss. Am Hang gegenüber knirschen und krachen Äste. Bäume wackeln - wilde Elefanten nehmen ihren Nachmittags-Snack an Blattwerk ein, welches sie lautstark abreißen. Über uns tobt eine große Gruppe Lemuren-Affen in den Baumkronen. Ein Otter taucht mit seinem dunklen Kopf aus dem Wasser auf und schaut was wir da auf seiner Sandbank machen. Wir bauen Matschburgen, sammeln Treibholz, schichten Steinmänner auf und spielen mit den bunten rundgeschliffenen Flußsteinen Kugelstoßen und Boccia.  Dann ist blaue Stunde. Mit dem letzten bisschen Licht steigen wi

Krishna strikes back

Der Monsun in Tamil Nadu bereichert die Tage im Oktober mit warm dampfenden Nieselmomenten. Fein zerstobene Regenspritzer bedecken alles mit warmem Nass und machen, dass die Farben glitzernd leuchten. Nach dreitägigem Workshop geht es auf dem Weg zurück zum Flughafen noch schnell auf einen Abstecher zu einem Monument mit nationaler Bedeutung. Der reich verzierte Rumpelbus setzt uns bei einer uralten Tempelanlage direkt am Strand von Mahaballipuram ab. Eines der Wunder an diesem Ort ist “Krishnans Butterball” (Krishnas Butterkugel), ein mächtiger, kugelförmiger Granitfelsen, der auf einem bedrohlich schrägen Untergrund aberwitzig balanciert und nicht wegrollt. Auf dem Weg dorthin mache ich mit einem der Teilnehmer Witze, dass der Felsen ja sicher mit einem Stahlanker befestigt, und sowieso vermutlich hohl und aus Kunststoff in Granitoptik von indischen Ingenieuren nett erdacht sei. Vehement wird darauf bestanden, dass es natürlich ein echter Felsen sei, der nur weil die Götter