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Es werden Posts vom 2017 angezeigt.

solide Deutschlandmitbringsel

Was Papa der indischen Rasselbande aus Deutschland  zu Weihnachten mitbringt: 4 feuchte Futzies, 12 Popoklapse, 3 Kopfnüsse, 6 Nasendreher, 2 Augenroller, 3 Haarzieper, 2 Backpfeifen, 5 Nagelgnatzer, 6 Extremhopser, 4 Abwatscher, 5 Gelenkgnitzer, 16 Mannsnöler, 4 Backenschnuddler, 10 Ellenknuffer, 6 Wirbelsauser und  8 Ohrschwurbler. Damit sind die Koffer voll, so dass sich um den Rest Weihnachtsmann und Christkind zu kümmern haben. Foto: Fertiger Nasendreher.

Gedüst und rumgekommen in 2016/17

Nie zuvor bin ich so viel geflogen, wie in den letzten anderthalb Jahren. Wenn das Jahr um ist, werde ich alleine in 2017 insgesamt 79 Mal in ein Flugzeug gestiegen sein. In 2016 und 2017 habe ich zusammen ca. 270.000 Luftkilometer  zurückgelegt - das sind etwa 6,7 Erdumrundungen. Grafik: Meine Luftreisen 2016/17

Die rumpelige Whatsapp Tiger–Safari

Die Burgfestung schmiegt sich an einen rückwärtigen Berg und liegt oberhalb eines kleinen Dorfes mit einem tollen Blick in das Tal. Die karge, savannenartige Landschaft ist geprägt von mächtigen Felsbrocken. Im Tal zeugen zahlreiche künstlich angelegte Dämme und Wälle von den Versuchen der Bewohner, das Wasser der Regenzeit in kleinen Seen zu sammeln. Aber jetzt ist bis auf kleinere Wasserlöcher alles trocken.  Abends klettern wir von der Terrasse unseres Zimmers auf den Berg hinter der Festung. Ein kleiner Tempel auf der Bergspitze überblickt die Festung und das ganze Tal. In der Abendsonne glänzt alles rötlich–golden. Kiran und Jamal sitzen auf einem Felsen unter einem Baum und schnitzen. Ein Hirte steigt mit seiner Ziegenherde hinab ins Tal. Um uns herum wuseln Pfaue zwischen den dornigen Büschen.  Am nächsten Tag holt uns ein Trecker mit Anhänger ab, um uns quer durch das Tal zu fahren. Auf der anderen Seite befinden sich einige Felsen mit alten Malereien, die wir besuchen wol

Roadtrip

Es ist nicht ganz leicht, dem Moloch Delhi per Auto zu entfliehen. Wir wollen das lange Thanksgiving Wochenende außerhalb der Stadt verbringen, und verbringen erstmal die ersten 6 Kilometer unseres Roadtrips ca. 1 Stunde im Stau. Dann stellt sich weiter draussen irgendwann auf der Autobahn gen Süden das Gefühl eines schlechten Autorenn-Videospiels ein. Auf allen drei Spuren tauchen regelmässig abstruse Sachen auf, denen man rechts und links durch stetiges Spurwechseln ausweichen muss. Kuh, Schlagloch, kaputter Lastwagen, Radfahrer, Ziegelstein, Bäuerin mit Feuerholz auf dem Kopf, Wasserbüffel, Sandhaufen etc... Jede auscherende Fahrzeugbewegung wird untermalt vom stetigen Gehupe der anderen Verkehrsteilnehmer.  Die zunächst noch futuristische Bebauung flacht stetig ab. Später stehen noch einzelne Gebäude und Tankstellen entlang der Autobahn. Dann finden wir irgendwann eine improvisierte Autobahnabfahrt und durchfahren kleine Städtchen. Das Leben wird ländlich und die Szenerie zunehmen

Der Markt ohne Marken

Auf der Suche nach innerstädtischen Märkten in Bangalore, stoßen wir auf den altehrwürdigen "KR-Market". Das riesige vierstöckige Gebäude im Zentrum von Bangalore versinkt zwar in Exkrementen, verfaultem organischen Abfall und sonstigem Müll, ist aber dennoch ein wirklich toller Ort. Echt wahr! Ich habe etwas Zeit gebraucht, um herauszufinden, was an dem Markt für mich so faszinierend ist - klar, die Gerüche, Farben und vielen Menschen haben ihre eigene Faszination, aber da ist noch mehr. Es ist die Tatsache, dass es ein Markt ohne Marken ist. Fast alle Produkte sind lokal hergestellt. Zum Beispiel Kochutensilien wie riesige Töpfe oder Pfannen, vielerlei Haushaltsgegenstände, Werkzeuge und Ersatzteile und, und, und... Sie tragen keinen Namen, keine Verpackung, kein Logo oder Slogan, keine Beschreibung. Sie stehen einfach pur ausgestellt für sich selbst. Aus ihrer Form oder Materialität spricht ihre Funktion. Selbsterklärend. Und bei vielen obskuren Gegenständen setz

Uber Kundenperformance 2016/17

Uber, der online-Taxidienstleister unseres Vertrauens gibt per E-Mail Rückmeldung zu unserer Kundenperformance des vergangenen Jahres. Unsere 72 Uber-Fahrten gingen über eine Gesamtstrecke von 596 km. Die Taxifahrer haben uns im Schnitt 4,83 von 5 Sternen gegeben. Vermutlich haben uns jene Fahrten in der Bewertung runtergerissen, in denen die Kinder dabei waren, und kreischend im Taxi mit schokoladeverschmierten Fingern rumgeturnt sind. Ansonsten im Schnitt alle 5 Tage eine Uber Fahrt - und ca. 8 km pro Fahrt zurückgelegt.  Das sind die schnöden Statistiken. Und dann ist da so manche Einzelfahrt, die in Erinnerung geblieben sind.  Die Smog-Uberfahrt im brüttig-heißen Feierabendverkehr von Bangalore. Die Fenster liessen sich nicht schliessen, und der Taxi-Innenraum glich einer Benzol-Räucherkammer.  Die Uber Fahrt mit einem indischen Opi, der von seinem Sohn (oder Enkel?!) auf dem Beifahrersitz in die Uber-App und das Fahren mit Googlemaps eingeführt wurde. Die Uber Fahrt durch das

Die sauberste Luft in Delhi

Gibt es eine sinnlosere Idee, als einen Kamin in eine Wohnung in Neu Delhi zu bauen? Das Teil in unserer neuen Wohnung ist reichlich simpel: ein grosses Loch mit Schacht nach oben. Sicher, in einigen wenigen Nächten kann es auch in Delhi mit um die 5 Grad empfindlich kalt werden. Das sind dann aber auch genau die Tage im Jahr mit der stärksten Luftschadstoffbelastung. Wer in dieser Zeit zwingend einen Kamin braucht, um bei einem Glässchen Cognac seine Füße am Feuer zu wärmen, während in den Straßen die Menschen an der Dreckluft zu röcheln haben, ist grob über den Daumen geschätzt ein ziemlich asozialer Arsch.  Was also tun mit dieser Riesenöffnung in der Wohnung, durch die munter Dreckluft von Draußen hineinströmt? Wir haben uns dazu entschieden in drei einfachen Schritten eine Zwangslüftung mit Filtersystem zu bauen. Und zwar so: Schritt 1: Löcher dicht Mit grossen Sperrholzplatten mache ich sowohl die Kaminöffnung in der Wohnung dicht, als auch den Schornsteinauslass auf dem Dac

Diwalirangoli 2017

Happy Diwali 2017

„Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. (...) Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht.“ Und später schufen dann die IKEA-Designer die passenden Lampen dazu. Nur Licht, und sonst nichts drumrum, ist ja auch etwas fad.  Kaum in unserer neuen Wohnung eingezogen, steht auch schon wieder das Diwali Fest vor der Tür. Zwei Top-Gründe, um sich dem Thema Licht und Lampe zu widmen:  1. Die neue Bude ist stellenweise noch unbelampt. 2. Diwali ist das Fest des Lichtes. Und da sind sie wieder, die „schwankenden Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt“. Es sind die Selbstbau-Lampen aus Studentenzeiten. Es gab ja damals fast nichts.  Der Lampenklassiker dieser Zeit geht in Kurzform so: ein Blatt Papier um eine nackte Lampenfassung gebogen und festgetackert. Fertig.  Ich lege mich hiermit fest: es gibt keinen einfacheren und besseren Lampentyp als diesen. Hat man eine Lampenfassung erstmal in de

Die indische 45 Stunden Dienstreise / Delhi - Bhubaneswar - Hyderabad - Bangalore - Delhi

1. Stunde 4 Uhr . Delhi, zu Hause Der Wecker weckt zu einem langen Tag. Der 4 Uhr 30-Espresso ist der wahre Wecker.  2. Stunde 5 Uhr . Delhi zu Hause Um aus der verschlossenen Toreinfahrt zu kommen muss ich den tiefschlafenden Wachmann wachrütteln. Wenigstens ist der Taxifahrer ausgeschlafen und pünktlich.  3. Stunde 6 Uhr . Delhi Flughafen Die Sonne geht tieforange über dem dunstig-diesigen Flughafen von Delhi auf. Ich balanciere den Starbucks Americano zum Gate, während eine Dame vom Flughafenreinigungspersonal lächelt. Ich kalkuliere und mir wird schwindelig: der Gegenwert meines Coffee-to-go entspricht vermutlich in etwa dem Lohn ihrer Nachtschicht. 4. Stunde 7 Uhr . Flug von Delhi nach Bhubaneswar Bereits drei Minuten nach dem Start ist die Flugzeugtoilette komplett vollgelullert. Indiens altgewohntes Lullerproblem eben.  5. Stunde 8 Uhr . Flug von Delhi nach Bhubaneswar Kurzes, aber kräftiges Lob an die YouTube Offlinefunktionalität auf mein

Arbeitstreffen in Chennai

Bevor unser Meeting beginnt, stehen wir gemeinsam an dieser unverschämt majestätischen Fensterfront und schauen aus dem fünften Stock des Regierungsgebäudes auf die Strandpromenade mit dem breiten Sandstrand und den verstreut herumliegenden Fischerbooten. Schauen weiter hinten über das Meer und den Horizont. Der Tag mit dem Gewusel einer Indischen Grossstadt beginnt. Und doch ist die typische morgendlichen Gemächlichkeit noch dämpfend über allem Tun. Etwas vollgestellt, der Besprechungsraum und auch nicht mehr ganz neu, aber ansonsten voll ok. Schicke Mikrofonanlage von Bosch, Videoprojektor und nette Stühle. Die Scheibenfront lässt die Morgensonne über Chennai herein - gefiltert durch eine feine Salzschicht, die die stetige Gischt des Meeres auf dem Glas hinterlassen hat. Die Mitarbeiter der Verwaltung sind alle so unglaublich nett und offen-freundlich zu uns. Man freut sich sichtlich, dass wir da sind. Und uns geht es nicht anders. Die Kolleginnen haben ihre tiptop gepf

Der Planer mit der Schmodderhand

Sein Name tut nicht zur Sache. Entscheidend ist, dass er Stadtplaner ist. Leidenschaftlich. Und Inder. Vermutlich auch leidenschaftlich. Zumindest trägt er gerne typisch indische Klamotten. Gerne und gerade auch zu offiziellen Anlässen. Wie zu dem Planer-Kongress, den wir beide gemeinsam besuchen, und schon seit einigen Stunden gemeinsam verbringen. Das opulente Essen zum Abschluss eines langen Kongresstages gehen wir ebenso gemeinsam an. Man steht in lockeren Grüppchen essend beieinander. Den Teller führt und stabilisiert er souverän in der einen Hand, während die andere Hand das Essen dynamisch mit Verve durchmatscht und in schnellen Bewegungen zum Mund führt. Führen tut er außerdem parallel den Diskurs zu indischen Stadtentwicklungsthemen. Die Esshand wird dabei doppelt beansprucht. Neben der Nahrungsaufnahme ist sie voll damit beschäftigt, durch ausfahrende Gesten, seine Argumante zu unterstützen und raumgreifend zu illustrieren. Dann wieder Essen matschen - argumentieren, gestik

Die sympatische Teewertmarke

Chennai ist Landeshauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Die Landesregierung und die wichtigsten Ministerien sind in dem historischen Gebäudekomplex "Fort St. George" untergebracht. Wie ein Festungsbau in unmittelbarer Nähe zum Strand sind die Gebäude von einem sternenförmigen Graben schützend umgeben. Wie bei allen Regierungsgebäuden ist der Zutritt von vielen Polizisten und Sicherheitsleuten streng bewacht. Unser Eintritt ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich.  Menschen wuseln um unser Auto herum, als wir langsam in das innere des Komplexes einfahren. Im Schatten der hohen Palmen ist zwischen den vielen parkenden Regierungsautos und den Menschen, die jede Lücke ausfüllen, kaum mehr Platz. Strammstehen, wenn Ministerfahrzeuge einfahren. Ehrfürchtig an den übergrossen Bildern der kürzlich verstorbenen Ministerpräsidentin vorbeischreiten. Zeit totschlagen beim Warten auf das nächste Meeting in einem heruntergekommenen Nebenraum, in dem die Klimaanläge