Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Februar, 2015 angezeigt.

Treppenabsturzsicherungspforte

Kiran krabbelt kollossal. Rasant rennt er rücklings rauf und runter: Treppen. Rummms! Rummst er runter reihenweise. Eine Pforte im OG. Sie schützt ihn vorm Wehweh. 

Haben und Sein

Ein altes paar Trekking- / Halbschuhe, die ich 10 Jahre lang bei allen meinen bisherigen Bolivienaufenthalten getragen habe, sind irreparabel durchlöchert und damit reif für den Müll. Es ist ein Abschied, weil sie mir die vielen Geschichten erzählen, die ich mit ihnen erlebt habe. Ich erinnere mich an ein paar offene Lederhalbschuhe, eher Sandalen, mit denen ich in Indien und Mosambik unterwegs war, und bei denen der Abschied ein ähnlicher war. Ein paar olle Schuhe, zu denen ich eine fast sentimentale Beziehung entwickelt habe. Und dann ist da noch dieser riesige Haufen Krempel, den wir unbedingt für viel Geld in diversen Koffern von Bolivien nach Deutschland transportieren wollen. Was machen Dinge mit uns? Was passiert da?  "Stuff" - unser Krempel Es gibt ein wunderbares Youtube-Video des US-Standup-Comedians George Carlin aus den 90ern in dem er sich über den Krempel lustig macht, den der Mensch ständig mit sich herumschleppt. Er nennt es den "stuff". Wir kö

"Was pack' ich ein, was nehm' ich mit?"

Fast jeder, der sich in urbanes, menschliches Gewimmel begibt, macht sich vorher kurz Gedanken, was er dafür mitnimmt - behaupte ich mal so. In der Fremde überlegt man es sich vielleicht nochmal genauer, als in alltäglich gewohnter Umgebung. Man wägt ab: Wieviel Ballast mute ich mir zu? Wie wahrscheinlich ist es, etwas zu verlieren? Wie wahrscheinlich ist es, beklaut zu werden? Was kommt während der Tour noch an Gegenständen hinzu? Zu welcher Tages-/ oder Nachtzeit bin ich unterwegs? Generell mag ich es, wenig bei mir zu haben. Ich mag kein Schnickschnack für jede Eventualität mit mir rumschleppen. Die wenigen Dinge, die ich bei mir habe, muss ich schnell und einfach erreichen und finden können. Wenn ich wenig dabei habe, behalte ich leichter den Überblick. Die Wahrscheinlichkeit etwas aus versehen zu verlieren, ist gering. Bei den Touren in La Paz ind El Alto, die ich alleine oder mit Jamal unternehme, hat sich bei mir ein abgestuftes Sicherheitsempfinden je nach Stadtviertel, Unterne

Feliz Carnaval!

The foto from us was taken on a battlefield. It is the center of La Paz "El Prado" / "Plaza de los Estudiantes". Everybody is heavily armed with waterguns, waterbombs and "Espuma" a bottled kind of nasty foam. Plus, everyone is wrapped in full body plastic protection including eye protection.  It is very noisy. People are shouting, loud music is everywhere and, oh yes, fire crackers explode all around. The surface of the plaza is not only covered with a light stone, but also reflects the strong sunlight. When the embedded journalist (our Mum) did the shot, we kept quiet for a second. Feliz Carnaval a tod@s!

Wie der "estrongest" Tiger brüllt

Ein denkwürdiger Fußballabend steht in La Paz auf der Agenda. Der Lokalmatador "The Strongest" trifft im Copa de Libertadores auf eine mexikanische Mannschaft. Der fast wolkenlose Himmel in den frühen Abendstunden über der Stadt täuscht darüber hinweg, welche Wendung die Nacht noch bringen soll. El Tigre Man muss sich als Fußballfan in einer größeren Stadt mit zwei lokalen Mannschaften irgendwann entscheiden. Es ist in La Paz nicht anders als in Hamburg, München oder Berlin. Es wird einem entweder von den Eltern in die Wiege gelegt, oder es kommt von alleine. St. Pauli oder HSV? 1860 oder FCB? Hertha oder Union? Und in La Paz: The Strongest oder Bolívar? In La Paz ist der "Club The Strongest" (gesprochen: Estrongest) der Underdog mit dem Tiger als Logo und Maskottchen. Bolívar hat das dicke Geld, die teuren Spieler und die meisten Titel. Aber der Tiger ("el tigre") holt auf. Die letzten drei nationalen Titel gingen aufs Konto der schwarz-gelben Estrongista

Der Ronaldofrisör

Beim Herrenfrisör im Stadtteil Achumani lungern morgens um zehn die Herrenfrisöre herum. Die Sonne bescheint sanft die alten gusseisernen Frisörsessel. Ein scheinbar friedlicher Ort. Mann wird aufgefordert doch einzutreten, um sich für 30 Bolivianos (3 Euro 50) frisieren zu lassen. Dem komme ich sehr gerne nach. Für den Sohn steht ein Hochstuhl mit Pferdekopf und Zügeln bereit. An der Wand - logisch - ein übergroßes Bild vom nassgelig grinsenden Ronaldo. Es gibt in ganz Südamerika keinen einzigen Herrenfrisörsalon in dem nicht ein Bild von Ronaldo hängt. Fakt. Wie oft habe ich mich schon darüber lustig gemacht, dass sich tatsächlich Leute so frisieren lassen wollen wie er: Wie dieser schmierige Möchtegernweltfussballer. Ich nehme Platz und empfange den Umhang. Der Frisör greift mir in die Haare und misst an einer Strähne ab, wieviel er abschneiden soll. "Soviel?" Nein, bitte noch etwas kürzer, ist meine Antwort. Daraufhin er, auf das Ronaldo Bild weisend: "Also genauso w

Karneval in La Paz: Pepino und Wasserschlachten

Zur Karnevalszeit tritt er massenhaft im Stadtbild von La Paz auf: der Pepino. Übersetzt "Gurke", sieht er aus wie ein Clown, und verhält sich doch komplett anders. Und warum bewerfen sich alle gerade mit Wasserbomben? Hier ist die Geschichte zu einer der zentralen Figuren im Karneval von La Paz. Am Anfang des Karnevals wird der Pepino in einer Zeremonie zum Leben erweckt. Parallel wird die Figur "el chuta" mit der Karnevalskönigin ("la reina del carnaval") verheiratet. Und am Ende des Karnevals in La Paz wird der Pepino auf dem Zentralfriedhof symbolisch zu Grabe getragen, indem ein Pepinokostüm beerdigt wird. Hauptsächlich tritt er bei den großen Karnevalsumzügen und den parallel stattfindenden Parties auf. Das lokal hergestellte Kostüm besteht üblicherweise aus drei Teilen und kostet in normaler Ausführung zwischen 10 und 20 Euro. Der Anzug als Einteiler, die Kopfmaske und der umgehangene Beutel machen den Pepino komplett. Im Beutel führt er Konfetti (&

Beratender Edel- und Gringotaxista realisieren Flughafentransfer

Ryan kommt. Der ehemalige Arbeitskollege macht bei uns drei Wochen Bolivienurlaub im Januar samt Jahreswechsel (von dem er wegen Höhenkoller nichts mitbekommen wird). Natürlich sage ich zu, ihn vom Flughafen in El Alto abzuholen. Nur wie? Die Fahrt dauert über eine Stunde, und El Alto ist nachts ein heißes Pflaster. Taxi? Ryans Ankunftszeit ist der 31.12.2014 um 1.22 Uhr. Als Ortsunkundiger selber mit dem Auto hoch nach El Alto zum Flughafen fahren, entfällt also. Das Telefonat mit dem Taxifahrer unseres Vertrauens, in dem ihm die Ankunftszeit erläutert wird, dauert sehr sehr lange. "Ja, es ist der Sylvestertag. Nein, nicht Sylvester nachts, wo alle feiern, sondern die nacht davor. Nein, nicht der 30.12. Ja, nachts, wenn es dunkel ist." ...usw... Der Taxifahrer, der mich abholen und dann mit mir nach El Alto fahren soll, scheint also gefunden. Der Berater Aber dann kommt doch alles anders. Der "Edeltaxista" bekommt von der Sache Wind und sagt sofort den Job zu. Es

"Juega conmigo!" - Unsere TOP 5 Spielplätze in La Paz

Natürlich fehlen hier in La Paz Jamal der alltägliche Kindergarten und seine gleichaltrigen Freunde zum Spielen. Nicht selten fragt er nach ihnen, oder er schlägt vor, dass sie beim nächsten Mal La Paz doch einfach mitkommen sollen. Attraktive Alternativen müssen also gefunden werden, mit denen der Papa i n Elternzeit seinen vierjährigen Sohn unterhalten und beschäftigen kann - zumindest in der Zeit, wenn der andere kleine tagsüber schläft. In schöner Regelmäßigkeit und Abwechslung sind dies alltags folgende fünf: Platz 5: Der eigene Garten und unser Viertel Chasquipampa Zu Hause spielen ist natürlich immer eine Option. Im Haus gibt es genug Spielsachen. Im Garten lockt eine kleine Sandkiste, und auch das fast subtropische Gärtnern macht Jamal großen Spaß. Direkt in unserem Viertel läßt es sich eher mühsam mit Jamal zu Fuß gehen, weil die Wege und Straßen meist sehr steil sind. Gleichwohl gibt es einige Straßen, die sich zum Radfahrenüben eingeschränkt eignen. Und auch ein kl

Koka

Aua! Die Höhe fetzt. Von 13 m.ü.M (Heide, Rüsdorf) auf 4.000 m.ü.M (El Alto) zu reisen, bringt je nach Typ körperliche Nebeneffekte mit sich, die schmerzen. Die ersten 2 Stunden sind noch ok und ggf. lustig, die dann folgenden 46 Stunden können kritisch sein. Kopfschmerzen und starke Übelkeit sind Hauptbeschwerden, die gerne auftreten. Aber es gibt Abhilfe! Kokatee, ein Getränk, welches kaum typischer für Bolivien sein könnte, ist der Retter in der Not bei Höhenkrankheit (Sorojchi). Wo kaufen? Die Kokablätter als Basis dieses Tees bekommt man in Bolivien auf jedem gut sortierten Markt, oder einfach in der Straße angeboten. Ein kleiner Beutel kostet etwa 5 Bolivianos (60 Eurocent). In jedem Supermarkt gibt es zudem Kokatee in gewohnter Beutelform von den großen Teeproduzenten Boliviens (ja, Bolivien produziert auch sehr ordentlichen Schwarztee!) in formal korrekter Verpackung mit modernem Grafikdesign. Geschmack Die Blätter haben, wenn man sie aus dem Beutel holt ein

Chuflay - der bolivianische Longdrink für die schnelle Abkürzung

Singani, den typisch bolivianischen Schnaps, verwendet man fast ausschließlich für Longdrinks. Ähnlich wie Grappa wird er aus Trauben hergestellt. Die bekannteste Singani-Longdrinkvariante in Bolivien ist der "Chuflay". Der Drink ist frisch und spritzig das Richtige für 36 Grad im Schatten und wärmt zugleich in den Abend- und Nachstunden, wenn die Gletscherkälte in die Täler kriecht. Zubereitung Ein Schnapsglas Singani mit zwei Eiswürfeln in ein Longdrinkglas geben. Den Saft einer halben Limette dazugeben und mit Ginger Ale auffüllen. Mit einer Limettenscheibe servieren. Der Name Die spanischsprachige Wikipedia sagt zum Namen: Britische Eisenbahningenieure und -Arbeiter haben im 19. Jahrhundert den Drink bei ihren Arbeiten in Bolivien gerne genossen, unter anderem weil er schön schnell betrunken macht. Sie nannten ihn daher "Short Fly" (Abkürzung). Wenn man spanischsprachig und singaniumnebelt "Shortfly" sagt (lallt), dann wird daraus &quo